Caibidil a Ceathair: Die Kopula (An Chopail)

Syntax der Kopula (Comhréir na Copaile)

Gramadach na Gaeilge

Prädikat und Subjekt im Kopulasatz
Abweichungen von der PSO-Regel im Kopulasatz

Prädikat und Subjekt im Kopulasatz

Das Prädikat (faisnéis) eines Satzes ist die "Satzaussage".
In einem "normalen" Satz würde dies durch das Verb (prädikatives Verb) gebildet.

Es gibt auch Sätze, in denen das Verb nicht das alleinige Prädikat des Satzes bildet, sondern dieses lediglich einleitet (sog. nichtprädikative Verben).
Auch das deutsche Verb "sein" ist in diesem Sinne ein nichtprädikatives Verb.
Die eigentliche Satzaussage besteht dann in einer Identifikation ("Er ist Paul.") oder Klassifikation ("Er ist ein Esel."). Das Prädikat wird also durch ein Substantiv gebildet (Prädikatnomen: "Paul", "Esel").
Auch ein Adjektiv (prädikatives Adjektiv) kann das Prädikat bilden ("Er ist groß.").

Im Satz "Er ist ein Schüler." ist "ein Schüler" das Prädikat, "ist" verbindet es nur mit dem Subjekt ("er"). Die "Satzaussage" besteht hier also darin, daß er ein Schüler ist.
Der Satz: "Er ist groß." sagt etwas über die Eigenschaft der Größe aus. (daher groß = Prädikat)
Im Satz: "Er liest." ist die Tätigkeit des Lesens die Satzaussage (also liest = Prädikat).
Ist ein Substantiv das Prädikat ("Prädikatsnomen") wird dies manchmal als "Objekt" fehlgedeutet. Im Gegensatz zu einem Objekt steht es aber stets im Nominativ und nicht im Akkusativ.

Im Irischen tritt die Kopula nun anstelle des Verbs "sein" in solchen Sätzen wie "Er ist Schüler.", z.T. auch in Sätzen wie "Er ist groß."

Im Deutschen gilt gewöhnlich die Satzgliedfolge "SPO" (Subjekt - Prädikat - Objekt)
Daher steht das Subjekt zu Anfang, das Prädikat folgt.
Im Irischen gilt die Satzgliedfolge "PSO" (Prädikat - Subjekt - Objekt)
Daher steht gewöhnlich zunächst das Prädikat, dann das Subjekt. Dies ist die PSO-Regel.

Abweichungen von der PSO-Regel im Kopulasatz

In Identifikationssätzen und Klassifikationssätzen ist in manchen Fällen die Satzgliedfolge vertauscht und es gilt nicht mehr PSO bzw. Kopula - Prädikat - Subjekt. [ 1 ]

Identifikationssätze mit Personalpronomen der 1. und 2. Person:
Die Pronomen der 1. und 2. Person (mé, tú, sinn, muid, sibh) treten stets gleich nach der Kopula auf, gleichgültig ob sie Prädikat oder Subjekt sind.
Is mé an fear. = Ich bin der Mann. [ 2 ]
Das (stets unbetonte) "mé" gilt hier trotz der Stellung unmittelbar nach der Kopula als das Subjekt.
Ein Satz wie: "*Is é an fear mé." (wie der PSO-Regel nach zu erwarten und in Analogie zu: Is é an fear é. = Er ist der Mann.) wird nicht verwendet.

Solche Satzformen mit unbetontem Pronomen wie "Is mé an fear." werden aber zumeist vermieden. In Fragesätzen sind sie allerdings oft unvermeidlich: An mé an fear? = Bin ich der Mann?
Es wird statt dessen im Ausagesatz gewöhnlich das Personalpronomen zum Prädikat des Satzes gemacht. Dann gilt die PSO-Regel wieder uneingeschränkt.
Da das Prädikat stets der betonte Satzteil (s.o.) ist, werden hierzu betonte ("emphatische") Formen des Pronomens eingesetzt:
Is mise an fear. = Ich bin der Mann. (eigtl. Übersetzung: Der Mann ist ich.)
Daß das Pronomen hier Prädikat ist, erkennt man also nur an der emphatischen Form, während unbetonte (normale) Formen der Pronomen anzeigen, daß es Subjekt ist.

Identifikationssätze mit Eigennamen, Demonstrativpronomen und Substantiven mit Demonstrativpronomen
Eigennamen, Demonstrativpronomen und Substantive mit Demonstrativpronomen stehen üblicherweise (d.h. in Sätzen neutraler Aussage) zuerst, als Subjekt also vor dem eigtl. Prädikat.
Von der Kopula sind sie jedoch noch durch ein Nebenprädikat (é/í/iad) getrennt, so daß formal die PSO-Regel gilt.
z.B.: Is é Pól an múinteoir. = Paul (Subjekt) ist der Lehrer (Prädikat).
        Is é an fear sin an dalta. = Jener Mann (Subjekt) ist der Schüler (Prädikat).
        Is é sin an dalta. = Jener (Subjekt) ist der Schüler (Prädikat).

Bei Demonstrativpronomen ist jedoch auch eine Kurzform üblich, in welcher das Demonstrativpronomen als Kombination mit der Kopula gedacht ist und direkt am Satzanfang steht (im Standard nur im nichtabhängigen Präsens). Hier folgt das Nebenprädikat dem Demonstrativpronomen, PSO gilt also nicht mehr.
z.B.: Sin é an dalta. = Jener ist der Schüler.

Sätze mit Eigennamen oder Demonstrativpronomen als Subjekt am Satzende sind selten und ungewöhnlich, aber nicht völlig unmöglich: Is é an múinteoir Pól; Is é an dalta an fear sin; Is é an dalta é sin.
Sie werden nur dann verwendet, wenn das Prädikat besonders herausgestellt werden soll (als einzigartig, bedeutend, etc.), entsprechend der im Deutschen dann üblichen Betonung auf dem Artikel:
z.B.: Is é an múinteoir Pól. = Pól ist der (berühmte, bedeutende, einzigartige) Lehrer.

Identifikationssätze und Klassifikationssätze mit zwei Substantiven:
In Identifikationssätzen ("Der Mann ist der Schüler.") ist es im Deutschen wie im Irischen oft schwer zu unterscheiden, was Subjekt und Prädikat ist, beide wären, da ja dem Sinn der Satzform nach einander identisch, ohne größeren Bedeutungswandel austauschbar (Der Mann ist der Schüler. = Der Schüler ist der Mann.)
Aufgrund der PSO-Regel (Prädikat zuerst) ist ein irischer Identifikationssatz gewöhnlich so zu interpretieren, daß das Prädikat vor dem Subjekt steht:
z.B.: Is é an dalta an fear. = Der Mann ist der Schüler. (Prädikat: an dalta = der Schüler)
Wie im Deutschen ist diese Zuordnung bei zwei Substantiven aber nicht starr.
Das Prädikat kann auch das zuletzt stehende Substantiv sein:
z.B.: Is é an fear an dalta. = Der Schüler ist der Mann. (Prädikat wiederum: an dalta = der Schüler)
D.h., das Subjekt steht vor dem Prädikat. Von der Kopula ist es aber auch hier durch ein Nebenprädikat (im Beispiel: é) getrennt, formal gilt also hier die PSO-Regel.
Unterscheiden läßt sich die gewollte Satzaussage in Identifikationssätzen also schriftsprachlich oft nur durch den Kontext, z.B. wenn es die Antwort auf eine Frage ist.
z.B.: Cé hé an fear? - Is é an dalta an fear. = Wer ist der Mann? - Der Mann ist der Schüler. (an dalta = Prädikat)
        Cé hé an dalta? - Is é an dalta an fear. = Wer ist der Schüler? - Der Mann ist der Schüler. (an fear = Prädikat)
Mündlich trägt zur Unterscheidung eine unterschiedl. Betonung bei: Bei zuletzt stehendem Prädikat erfolgt vor dem Prädikat eine kleine Pause, hier durch Doppelpunkt angedeutet: Is é an dalta: an fear.

In ähnlicher Weise ist es selten auch bei Klassifikationssätzen möglich, die Stellung von Subjekt und Prädikat zu tauschen, wenn sowohl Subjekt als auch Prädikat unbestimmte Substantive sind,
z.B. in der Redewendung: Tír gan teanga tír gan anam. = Ein Land ohne Sprache ist ein Land ohne Seele. (tír gan anam als Prädikat)

Kopulasätze mit Demonstrativpronomen
In besonderen Kurzformen von Klassifikationssätzen steht das Demonstrativpronomen als Subjekt am Satzanfang (gedacht als Kombination aus Kopula und Demonstrativpronomen), das Prädikat folgt.
z.B.: Sin amhrán. = Das ist ein Lied. Seo fear. = Dies ist ein Mann.
Die Langform solcher Klassifikationssätze hat das Demonstrativpronomen am Satzende:
z.B.: Is amhrán é sin. = Das ist ein Lied. Is fear é seo. = Dies ist ein Mann.
Eine entsprechende Kurzform mit satzeinleitendem Demonstrativpronomen tritt auch bei Identifikationssätzen auf (Das Demonstrativpronomen steht dort aber als Subjekt ohnehin vor dem Prädikat, s.o.)
z.B.: Sin é an fear. = Das ist der Mann.


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Die Kopula
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© Lars Braesicke 1999 / 2016

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[ 1 ]
Die Darstellung hier entspricht weitgehend der üblichen Zuordnung der Begriffe "Subjekt" und "Prädikat", wie sie in heutigen Standard-Grammatiken vertreten wird.
Sie beruht auf der Gleichsetzung der Begriffe Subjekt = Thema (Vorbekanntes) und Prädikat = Rhema (neue Information) im Kopulasatz.
Sie ist, wie hier zu sehen, allerdings durch die Inkaufnahme der beschriebenen "Ausnahmen" in der Satzgliedfolge gekennzeichnet und somit nicht sonderlich konsistent.
Alternativ wird von einigen (insbes. O’Nolan, New Era Grammar of Modern Irish) die Annahme vertreten, daß ausnahmslos immer das der Kopula unmittelbar folgende Satzglied das Prädikat sein müsse und ein Subjekt nie direkt der Kopula folgen könne, während die Thema-Rhema-Beziehung davon unabhängig ist, bzw. dazu keine Aussage getroffen wird.
Ein Tausch von Prädikat und Subjekt könnte demnach nur erfolgen, wenn ein Nebenprädikat das Subjekt von der Kopula trennt. (Oder aber, wenn die Kopula völlig entfalle.)
O’Nolan argumentiert, daß das Nebenprädikat im Altirischen zunächst nur dann auftrat, wenn zunächst das Subjekt folgte, im Falle eines unmittelbar folgenden Hauptprädikats aber erst später in Analogie dazu auftrat.
Auch Pronomen der 1. und 2. Person wären hiernach stets und ausnahmslos Prädikative, wenn sie direkt der Kopula folgten, unabh. davon, ob emphatisch oder nicht.
Diese Sichtweise hat einiges für sich, da somit die PSO-Regel nahezu ausnahmslos gelten würde.

Auch im Deutschen stimmt die Zuordnung Thema = Subjekt nicht immer. Im Satz: "Ich bin es." ist "ich" offensichtlich Subjekt (gebeugte Form "bin" folgt), aber genauso offensichtlich Rhema, was das Dummy-Pronomen "es" nicht sein kann.
Genau wie im deutschen Kopulasatz "ich" immer Subjekt der Kopula sein muss ("Ich ist …" / "… ist ich" ist unmöglich), egal welche Satzaussage getroffen wird, genauso könnte man für das Irische umgekehrt formulieren, daß "mé/mise" immer Prädikat ist, egal ob das Pronomen thematisch oder rhematisch ist.

[ 2 ]
Ursache dessen könnte der Ersatz alter konjugierter Formen der Kopula sein (z.B. "am" = ich bin) durch die heutige Kopulaform + Pronomen ("is mé" = ich bin), das einfach an die Stelle von "am" im Satz tritt:
Is mé an fear, altirisch: *Am in fer.
Allerdings trat im Altirischen diese Form kaum auf. Die Kopulaform am = ich bin beschränkte sich auf Klassifikationssätze: Am fear = ich bin ein Mann.
In Identifikationssätzen hatte "is" auch im Altirischen bereits "am" verdrängt. Es trat bereits die heutige Form auf: Is mé in fer. Die Kopula "is" ist hierbei eine unpersönl. Form, die ein Subjekt in der 3. Person enthält: "es ist", ist entsprechend ein Prädikat, in fer eine Apposition.
Altirisch Is mé in fer ist also eigtl. als: "Es ist ich, der Mann" zu lesen.