Caibidil a Trí: Das Verb (an Briathar)

Zeitform, Modus, Genus und Aspekt (An Aimsir agus an Modh agus an Fhaí agus an Ghné)

Gramadach na Gaeilge

Zeitform (an aimsir)
  Präsens (an aimsir láithreach) und habituelles Präsens (an aimsir ghnáthláithreach)
  Präteritum (an aimsir chaite)
  Imperfekt (an aimsir neamhfhoirfe) oder habituelles Präteritum (an aimsir ghnáthchaite)
  Futur (an aimsir fháistineach)
Modus (an modh)
  Indikativ (an modh táscach)
  Konditional (an modh coinníollach)
  Imperativ (an modh ordaitheach)
  Konjunktiv (an modh foshuiteach)
Genus verbi (an fhaí)
  Aktiv (an fhaí ghníomhach)
  Passiv (an fhaí chéasta)
Aspekt (an ghné)
  Perfekt (na haimsirí foirfe)
  Verlaufsform (an fhoirm leanúnach)
  Absichtsform (an fhoirm aidhmeach)

Die Zeitform (an aimsir)

Die Zeitform (oder Tempus) bestimmt die Zeit der Handlung, ob sie in der Gegenwart, Zukunft oder Vergangenheit stattfindet.
Unterschieden werden dabei im irischen Indikativ das einfache Präsens und habituelle Präsens (Gegenwart), Präteritum und Imperfekt (Vergangenheit) und Futur (Zukunft)
Gemeinsam mit den Zeitformen der anderen Modi entstehen acht einfache Zeitformen (aimsirí simplí). Einfache Zeitformen werden gebildet durch die Wahl einer spezifischen Verbendung. Traditionell werden die einfachen Zeitformen eingeteilt in die primären Zeitformen (aimsirí príomha) (Indikativ Präsens und habituelles Präsens, Indikativ Futur, Konjunktiv Präsens und Imperativ) und die Vergangenheitszeitformen (aimsirí stairiúla) oder sekundäre Zeitformen (aimsirí tánaisteacha) (Indikativ Präteritum, Indikativ Imperfekt, Konjunktiv Präteritum und Konditional). Wichtiger Unterschied: Die Vergangenheitszeitformen verwenden d’-Vorsatz und Lenition als Rest der Vergangenheits-Verbalpartikel do)

Zusätzlich gibt es noch zusammengesetzte Zeitformen (aimsirí comhshuite) zur Darstellung weiterer Verbal-Aspekte, insbes. Verlaufsform, Perfekt und Absichtsform, siehe dort.
Diese werden gebildet mit dem Hilfsverb , das wiederum in einer der oben genannten einfachen Zeitfomen gebeugt wird.

Hier folgen zunächst alle einfachen Zeitformen des Indikativs:

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Das Präsens (an aimsir láithreach) und habituelle Präsens (an aimsir ghnáthláithreach)

Man unterscheidet im Präsens 2 Aspekte der Handlung: habituell und nicht habituell.
Einfaches Präsens (an aimsir láithreach) umschreibt punktuelle Handlungen, die zum aktuellen Zeitpunkt stattfinden.
Habituelles Präsens (an aimsir ghnáthláithreach) umschreibt Handlungen, die regelmäßig (gewöhnlich, immer, oft, manchmal, selten, nie) stattfinden.

Einfaches Präsens und habituelles Präsens haben jedoch bei allen Verben eine gemeinsame Form.
Nur das Verb hat getrennte Formen für habituelles und einfaches Präsens [ 1 ]
Tá sé = er ist (Präsens)
z.B. Tá sé fuar anocht. = Heute Nacht ist es kalt.
Bíonn sé = er ist (habit. Präsens)
z.B. Bíonn sé fuar istoíche. = Nachts ist es (gewöhnlich) kalt.
Die Verwendung von habituellen und nicht-habituellen Präsens unterscheidet sich jedoch bei den anderen Verben:

Habituelles Präsens wird auch für generelle, quasi zeitlose, Aussagen und Feststellungen verwendet.
z.B.: Itheann na beithígh féar. = Kühe fressen Gras.
        Fithisíonn an Domhan an ghrian. = Die Erde dreht sich um die Sonne.
        Ólaim tae le bainne. = Ich trinke (gewöhnlich) Tee mit Milch.
Wenn indes nicht die Fortdauer der Handlung im Vordergrund ist, sondern zwar generell auftretende aber punktuelle Ereignisse, steht Futur.
z.B.: Nuair atá an duilleog feoite, is beag an t-aithleá a scoiltfidh den chraobh í. = Wenn das Blatt verwelkt ist, reicht ein Windhauch, der es vom Zweig trennen wird.

Wenn ohnehin vom Fortbestand einer Handlung auszugehen ist, es also keiner besonderen Erwähnung bedarf, steht im Falle des Verbs bí einfaches Präsens:
z.B.: Tá mé i mo chónaí i nGaillimh = Ich wohne in Galway. (… jetzt und weiterhin)

Die Verwendung des Präsens anstelle des Futurs (im Deutschen z.B. "Wir kommen morgen." statt "Wir werden morgen kommen.") ist allgemein nicht üblich.
Es steht also generell Futur, wenn Futur gemeint ist.
z.B.: Tiocfaimid amárach. = Wir werden morgen kommen..
Eine Ausnahme ist das Verb bí, das oft im einfachen Präsens steht mit Futurbedeutung, wenn ein zukünfiges Ereignis bereits feststeht. Es wird dann eine Verlaufsform verwendet und eine Zeitangabe (z.B. amárach = morgen) ist nötg.
z.B.: Táimid ag filleadh amárach. = Wir werden morgen zurückkehren.
Weiterhin folgt nach má = wenn und cha = nicht generell kein Futur, sondern stattdessen habituelles Präsens (siehe unter Futur).

Im direkten Relativsatz: gibt es eine besondere Relativform mit s-Endung in der 3. Person.
z.B: an fear a ghlana(nn)s an carr = der Mann, der das Auto reinigt.

Das historische Präsens (an láithreach stairiúil)
Es gibt in der 3. Person ein historisches Präsens, das in Erzählungen auftritt, die im Übrigen im Präteritum geschrieben sind, um als stilistisches Mittel eine Handlung "präsenter" zu machen.
Statt -ann steht hier in Ulster die alte Präsensendung -(a)idh.
z.B.: Glanaidh sé = er reinigt..
In der Literatur wird gelegtl. auch eine Form mit der Endung -(e)as im Sinne eines historischen Präsens verwendet. Sie gleicht der Präsens-Relativform, obwohl hier keine Relativbeziehung besteht und keine Relativpartikel oder Lenition verwendet wird. Ursprünglich war es eine Perfektform des klass. Irisch.
z.B.: Glanas Seán an bord = Seán reinigt den Tisch.

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Das Präteritum (an aimsir chaite)

Das Präteritum wird weitaus häufiger als das deutsche Präteritum verwendet. Es wird auch zumeist für deutsches Perfekt und Plusquamperfekt eingesetzt. Es beschreibt eine einmalige (punktuelle) Handlung in der Vergangenheit. Es ist die normale Erzählform in der Prosa.
Außer der autonomen Form tritt Lenition bei unabhängigen Verbformen auf. Ursache der Lenition ist die einstige Vergangenheitspartikel do, die heute nur mehr in Munster z.T. noch gebräuchlich ist.
z.B.: (do) bhuail mé = ich schlug
Vor Vokal und fh- tritt indes stets ein d’-Vorsatz als Rest der Vergangenheits-Verbalpartikel do auf.
z.B.: d’ól mé = ich trank, ich habe getrunken
Die autonome Form wird nicht leniert (mit Ausnahme einiger unregelmäß. Verben), auch erfolgt keine Lenition nach sonst Lenition erfordernden Partikeln. Es tritt auch kein d’-Vorsatz auf. Die Vergangenheitspartikel do würde einen h-Vorsatz vor Vokal erfordern.
z.B.: (do) buaileadh = man schlug, níor buaileadh = man schlug nicht, (do h)óladh = man trank, níor óladh = man trank nicht.
Oft tritt in den Dialekten der h-Vorsatz auch ohne Verbalpartikel do auf und verbleibt dort auch vor anderen Partikeln:
z.B.: hóladh = man trank, níor hóladh = man trank nicht

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Das Imperfekt (an aimsir neamhfhoirfe) oder habituelles Präteritum (an aimsir ghnáthchaite)

Das Imperfekt ist die habituelle Form in der Vergangenheit. Es wird ähnlich wie das habituelle Präsens  gebraucht. Es ist für alle Verben als eigenständige Form verfügbar.
Es beschreibt eine wiederkehrende bzw. längerdauernde (nicht-punktuelle) Handlung in der Vergangenheit (vgl. Engl.: "I used to …")
In der Form ist es gleich dem Konjunktiv-Präteritum, jedoch tritt im Imperfekt in unabhängigen Formen Lenition und d’-Vorsatz als Rest der Vergangenheits-Verbalpartikel do auf. (Das Konjunktiv-Präteritum tritt nur in der abhängigen Form nach eklipt. Konjunktionen auf.)
z.B.: (Do) dhéanadh sé an obair go maith = Er machte [gewöhnlich, immer, …] die Arbeit gut.  D’oladh sé gach lá = Er trank jeden Tag.
Gewöhnlich wird heute auch die autonome Form leniert und diese erhält vor Vokal und fh einen d’-Vorsatz (im Gegensatz zum Präteritum):
z.B.: dhéantaí = man tat, d’óltaí = man trank

Vergleiche den inhaltl. Unterschied zum Präteritum:
Präteritum: Bhuail sé é = Er gab ihm einen Schlag, er schlug ihn, er besiegte ihn
Imperfekt: Bhuaileadh sé é = Er verprügelte ihn, er gab ihm Schläge, er schlug ihn längerdauernd oder regelmäßig

Häufig ist das Imperfekt nach Konstruktionen mit gach = jeder, z.B.: gach uair dá dtéadh sé = jedesmal wenn er gegangen ist
Es tritt hingegen üblicherweise nicht im Relativsatz nach der einleitenden Adverbialbestimmung is minic (= oft) auf. Hier steht zumeist einfaches Präteritum,
z.B.: Is minic a chuala mé Cathal ag léamh an dáin seo. = Oft hörte ich Cathal dieses Gedicht lesen.

In Ulster wird statt der Imperfektform eine Umschreibung mit ba ghnách le + Subjekt + Infinitivkonstruktion verwendet (wörtl.: "war üblich mit"):
z.B.: Ba ghnách leat an obair a dhéanamh go maith. = Dhéantá an obair go maith. = Gewöhnlich machtest du die Arbeit gut.

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Das Futur (an aimsir fháistineach)

Das Futur wird wie deutsches Futur I verwendet, wobei oft auch ein gewünschtes Ereignis im Futur wiedergegeben wird: Beidh deoch agam. = Ich werde (will) einen Drink haben.
Auch Anweisungen können im Futur erfolgen (statt Imperativ): Rachaidh tú síos go dtí an droichead. = Gehe runter bis zur Brücke.

Eine Verwendung des Präsens anstelle des Futur (wie im Deutschen) ist nicht üblich, außer beim Verb , das auch im Präsens () Futurbedeutung tragen kann. Hierdurch ist auch eine Verwendung der Präsens-Verlaufsform im Futursinn möglich, wenn ein zukünfiges Ereignis bereits feststeht. Die zusätzliche Zeitangabe (z.B. amárach = morgen) ist notwendig.
z.B.: Tá mé ag filleadh amárach. = Morgen komme ich zurück.
Nach der Konjunktion má = wenn und der Verbalpartikel cha = nicht folgt zudem stets habituelles Präsens statt Futur. [ 2 ] In Ulster trifft dies tw. auch auf nach = daß nicht zu.
z.B. Glanfaidh tú = du wirst reinigen: má ghlanann tú = wenn du reinigst/reinigen wirst, cha ghlanann tú = du reinigst nicht/wirst nicht reinigen

Im direkten Relativsatz gibt es, wie im Präsens, eine besondere Relativform mit s-Endung.
z.B: an fear a ghlanfas an carr = der Mann, der das Auto reinigen wird.

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Modus (an modh)

Modi dienen der Angabe, ob eine Handlung nur gedacht, gewünscht, unter bestimmten Bedinungen, vermutlich oder ganz real stattfindet

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Der Indikativ (an modh táscach)

Der Indikativ ist die Wirklichkeitsform zur Angabe real stattfindender Handlungen.
Es ist die normale Aussage- und Erzählform in allen bereits oben genannten Zeitformen. (ich bin, ich war, ich werde sein, etc.). Es ist somit der häufigste Modus.
Im Gegensatz zum Deutschen gibt es keine Umwandlung von Indikativ- in Konjunktivzeitformen in der indirekten Rede.

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Das Konditional (an modh coinníollach)

Dies ist die Bedingungsform.
D.h. die Handlung ist abhängig von bestimmten (genannten, oft aber auch ungenannten) Bedingungen.
Im Deutschen verwendet man die Umschreibung mit "würden" (z.B. "Ich würde gehen, wenn …")
So entspricht er auch in der Verwendung weitgehend der dt. "würde"-Form, wobei es freilich auch Unterschiede gibt. Der wichtigste Unterschied ist, daß eine Zeitformunterscheidung nicht möglich ist (im Deutschen durch "würde" und "wäre")
Weiter kann der ir. Konditional z.T. im Deutschen mit "könnte" wiedergegeben werden, da dies im Deutschen oft ebenso zur Darstellung von Möglichkeiten verwendet wird, die von meist ungenannten oder nicht absehbaren Bedingungen abhängen.
Den ir. Konditional gibt es nur in einer Form und ist so zeitformunabhängig.
z.B.: Rachainn (inniu/inné/amárach). = Ich würde (heute/morgen) gehen. / Ich wäre (gestern) gegangen.
Im Konditional tritt Lenition und d’-Vorsatz in der unabhängigen Verbform als Rest der Verbalpartikel do auf.
z.B.: (Do) dhéanfadh sé an obair. = Er würde die Arbeit tun. D’ólfadh sé. = Er würde trinken.

Das Konditional wird verwendet:

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Der Imperativ (an modh ordaitheach)

Der Imperativ ist die Befehlsform, gebraucht für Befehle und Aufforderungen.
Es gibt ihn nur in einer Zeitform (eigtl. eine Futur-Zeitform, da die befohlene Handlung ja erst stattfinden soll).
Man kann ihn unterscheiden in:

Für den negativen Imperativ (Prohibitiv, an toirmeascach) gibt es eine eigene Verneinungspartikel (Prohibitivpartikel) (danach keine Lenition oder Eklipse)
z.B.: Ná glan é! = Mach es nicht sauber!
        Ná habair é! = Sag es nicht! (Diese Formulierung wird oft als Erwiderung auf einen Dank verwendet.)
Somit ist in negativen Sätzen stets Eindeutigkeit gegeben:
z.B.: Ní ghlanaimid. = wir reinigen nicht. (Indikativ); Ná glanaimid! = Laßt uns nicht reinigen! (Imperativ)
        Ní chluinim sin = Ich höre das nicht. (Indikativ); Ná cluinim sin arís! = Laß mich das nicht noch einmal hören! (Imperativ)

Verwendung des Imperativs

In der indirekten Rede wird der Imperativ stets durch eine Infinitivkonstruktion mit dem Verbalnomen ersetzt.
z.B.: Ceannaigh an capall! > Dúirt sí liom an capall a cheannach. = Kaufe das Pferd! > Sie sagte mir, ich solle das Pferd kaufen.

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Der Konjunktiv (an modh foshuiteach)

Der Konjunktiv ist die Möglichkeitsform. D.h. die Handlung ist nicht als real gedacht, sondern nur möglich oder gar unmöglich.
Der Konjunktiv tritt ausschließlich nach Konjunktionen (also nur als abhängige Verbform) auf, die zumeist Eklipse verursachen (nach nár Lenition)
Den Konjunktiv (engl.: subjunctive) gibt es nur in 2 Zeitformen:

Er wird (wurde) verwendet für:

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Genus verbi (an fhaí)

Die Beschreibung der Handlungrichtung wird in manchen Grammatiken auch Diathese genannt. Das Irische kennt zwei Genera: Aktiv und Passiv.
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Das Aktiv (an fhaí ghníomhach)

Das Aktiv ist diejenige Form, die besagt, daß das Subjekt des Satzes handelt (z.B. glanann sé = er reinigt)
Im Gegensatz dazu besagt der Passiv, das dem logischen Subjekt des Satzes etwas getan wird (z.B. tá sé á ghlanadh = er wird gereinigt)
Das Aktiv gibt es in allen oben genannten Zeitformen und Modi (siehe dort) und bedarf daher keiner näheren Erläuterung.

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Das Passiv (an fhaí chéasta)

Das Passiv ist die Leideform. Das Subjekt des Satzes "erleidet" eine Handlung.

Subjekt des Passivsatzes
Bei der Umwandlung vom Aktiv zum Passiv wird das direkte (Akkusativ-)Objekt des Aktivsatzes zum Subjekt des Passivsatzes.
(Ein indirektes (Dativ-)Objekt kann hingegen nicht Subjekt eines Passivsatzes werden, wie es z.B. im Englischen möglich ist: I was given the key.)
Das bisherige Subjekt des Aktivsatzes tritt in den Hintergrund. Wenn es notwendig ist, den Handelnden anzugeben, kann es mittels der Präposition ag wahlweise hinzutreten.

Ein einfaches Passiv (mittels Verbendungen wie im Lateinischen) gibt es im Irischen nicht.
Statt dessen werden folgende umschreibende (periphrastische) Wendungen benutzt, die gleichzeitig aspektuale Bedeutungen haben:

Perfektives Passiv

Form von + Subjekt + Verbaladjektiv (+ ag + Handelnder)

z.B.: Tá an bord briste agam. = Der Tisch wurde von mir zerbrochen. / Ich habe den Tisch zerbrochen.
Ein Satz dieser Art mit dem Verbaladjektiv transitiver Verben sagt, daß etwas getan wurde (von mir) = Passiv,
als auch, daß ich etwas getan habe (Perfekt, dort mehr dazu).
Vom Aspekt ist dieses Passiv resultativ, denn es betont stets den Zustand nach einer Handlung.
Es ist also eher ein Zustandspassiv (vgl. dt. Zustandspassiv "Es ist zerbrochen." gegenüber dem Handlungspassiv "Es wurde zerbrochen.")
Die Angabe des Handelnden erfolgt mit ag … (vgl. bí … ag = haben): Der Tisch wurde von mir zerbrochen. / Ich habe den Tisch zerbrochen.

Progressives Passiv

Form von + Subjekt + do + Possessivpronomen + Verbalnomen (+ ag + Handelnder)

z.B.: Tá an teach á thóigeáil agam. = Das Haus wird (gerade) von mir gebaut. (wörtl.: "Das Haus ist zu-seinem Bauen/Gebautwerden bei-mir")
Diese Form ähnelt der normalen Verlaufsform mit Pronomen als Objekt, jedoch ist hier das Possessivpronomen stets rückbezüglich auf das Subjekt des Satzes, woraus sich eine Verlaufs-Passivkonstruktion ergibt. Es entspricht somit eher dem deutschen Handlungspassiv. Siehe mehr dazu unter Verlaufsform Passiv.

Prospektives Passiv

Form von + Subjekt + le + Verbalnomen (+ ag + Handelnder)

z.B.: Tá an balla le péinteáil agam. = Die Wand ist zu streichen von mir.
Die Passivform tritt mit transitiven Verben auf, mehr dazu siehe hier.

Gemischtes Passiv

Eine Kombination von progressiven und perfektiven Passiv verwendet nicht die Verlaufsform (z.B. á thóigeáil), sonderm ein gemischtes Perfekt mit tar éis und Verbaladjektiv
z.B.: Tá an teach tar éis bheith tóigeáilte agam. = Das Haus ist (gerade) von mir gebaut worden.
In ähnlicher Weise tritt bei Kombination von prospektivem und progressiven Passiv wiederum nicht die Verlaufsform (bheith á thóigeáil) auf, sondern wiederum das Verbaladjektiv
z.B.: Tá an teach le bheith tóigeáilte agam. = Das Haus wird von mir gebaut werden.

Autonome Form statt Passiv

autonome Form des Verbs (Saorbhriathar) + Objekt

Die autonome Form ist eigentlich grammatisch kein Passiv, denn der die Handlung Erleidende bleibt grammatisch Objekt des Verbs und des Satzes.
Sie läßt sich jedoch auch in passivischem Sinne (Handlungspassiv) übersetzen. Zudem ist sie auch etymologisch aus einem Passiv entstanden und mit dem Passiv z.B. des Lateinischen verwandt.
z.B.: Briseadh an bord = Der Tisch wurde zerbrochen.
z.B.: Déantar é. = Es wird gemacht.

Es ist jedoch gewöhnlich keine Angabe des Handelnden möglich (d.h. von wem es gemacht wird).
Der Sinn dieser Verbform ist es geradezu, Angaben zum Handelnden zu vermeiden, die Handlung möglichst unpersönlich darzustellen.
Ins Deutschen erfolgt die Übersetzung dieser Form daher, wenn möglich, besser mit dem unpersönl. Pronomen man:
z.B.: Déantar é. = Man macht es.

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Aspekt (an ghné)

Aspekte im Irischen sind:

Eine Unterscheidung zw. habituell und nicht-habituell erfolgt nur in Gegenwart und Vergangenheit und wird durch einfache Zeitformen (habituelles Präsens, Imperfekt) ausgedrückt, siehe dazu unter Zeitformen. Die anderen Aspekte werden durch zusammengesetzte Zeitformen, sog. periphrastische Zeitformen oder periphrastische Konstruktionen ausgedrückt.
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Perfekt-Zeitformen (na haimsirí foirfe)

Perfekt-Zeitformen werden im Irischen weitaus seltener benutzt (als im Deutschen oder Englischen), statt dessen steht zumeist das Präteritum, bzw. das Präsens bei noch andauernden Handlungen.
Das irische Perfekt kann nur benutzt werden, wenn die Handlung kurz zuvor vollendet wurde (terminativer Aspekt) und es nötig erscheint, diesen Umstand extra zu erwähnen; oder wenn der Zustand/das Resultat der Handlung beschrieben werden soll (resultativer Aspekt, ähnl. dem Perfekt im Griechischen).
Die irischen Perfektzeitformen sind keine abhängige Zeitformen wie im Englischen (d.h., nicht abhängig von Konjunktionen, Adverbien oder anderen Teilsätzen). Es drückt im allgemeinen auch nicht Vorzeitigkeit im Vergleich zu Folgehandlungen aus (hierzu existiert die spezielle Vorzeitigkeits-Form mit dem Verbalnomen + do + Subjekt).
Es gibt auch keine einfache Bildung des Perfektes mittels einer Konjugationsendung (wie z.B. im Lateinischen).
Stattdessen werden zusammengesetzte Formen mit dem Hilfsverb verwendet, die oft auch passivische Bedeutung haben.

Es gibt nicht nur ein Präsens-Perfekt, sondern theoretisch zu jeder einfachen Zeitform in allen Modi ein Perfekt.
Durch Präteritumformen von bí entsteht somit eine Art Plusquamperfekt (an aimsir ollfhoirfe), durch Futurformen von bí ein Perfekt Futur (an aimsir fhoirfe fháistineach) (im Deutschen das Futur II) usw.

Tá sé déanta agam. = Ich habe es getan.
Tá mé tar éis é a dhéanamh. = Ich habe es getan.
Bhí sé déanta agam. = Ich hatte es getan.
Bhí mé tar éis é a dhéanamh. = Ich hatte es getan.
Beidh sé déanta agam. = Ich werde es getan haben.
Beidh mé tar éis é a dhéanamh. = Ich werde es getan haben.
Bheadh sé déanta agam. = Ich würde es getan haben.
Bheinn tar éis é a dhéanamh. = Ich würde es getan haben.
etc.

Eine Form des Verbs bí kann in Small Clauses auch ganz entfallen,
z.B.: … agus é déanta agam. = da / nachdem ich es getan habe. (wörtl.: "und es getan bei-mir")
        … agus mé tar éis é a dhéanamh. = nachdem ich es getan habe. (wörtl.: "und ich nach es zu tun")

Bildung des Perfekts mit dem Verbaladjektiv

intransitiv Form von + Subjekt + Verbaladjektiv
transitiv Form von + Objekt* + Verbaladjektiv + ag + Subjekt*

*:im Irischen ist Subjekt und Objekt eigentlich andersherum, die Angabe bezieht sich vielmehr auf die Entsprechung in deutschen Perfektsätzen.
Daß im Irischen Subjekt und Objekt vertauscht sind, bedeutet aber auch, daß diese Konstruktion eigtl. ein Passiv-Perfekt ist.

Das Verbaladjektiv wird hier prädikativisch verwendet (nicht attributivisch, also keine Lenition nach femininen Substantiven).[ 3 ]

Stets steht bei dieser Perfektform das Ergebnis der Handlung im Vordergrund (z.B.: "der Tisch ist kaputt", "du bist gefangen", "sie sind weg"), es ist also resultativ.
In Connacht und Munster ist diese Perfekt-Form bei allen Verben möglich, transitiven und intransitiven.
In Ulster ist es jedoch nur bei transitiven Verben (außer solchen der Wahrnehmung) möglich.

Bildung des Perfekts mit tar éis und Verbalnomen

intransitiv Form von + Subjekt + tár éis / i ndiadh + Verbalnomen
transitiv Form von + Subjekt + tár éis / i ndiadh + Objekt + a + Verbalnomen

Nach der engl. Übersetzung der verwendeten Präpositionen wird dies englischsprachig auch als "after perfect" bezeichnet (und ist auch im Hiberno-Englischen verbreitet, z.B.: I’m after drinking.).
tár éis tritt in Munster (in der mündl. Form tréis) und Connacht (théis, thréis) auf, in Ulster hingegen i ndiadh (i ndéidh).
Im älteren Irisch trat ar (< iar) auf. (Heute tritt ar nur mehr in den beiden weiter unten genannten Formen auf)

Diese Form legt Wert darauf, daß eine Handlung gerade abgeschlossen wurde. (so insbesondere in Connacht, in Ulster auch weitergefasst.)
z.B.: Tá mé tar éis snámh. = Ich bin gerade geschwommen. (wörtl.: "Bin ich nach dem Schwimmen")
        Tá sé tar éis an litir a scríobh. = Er hat gerade den Brief geschrieben. (wörtl.: "Ist er nach den Brief zu schreiben")

Wenn ein Possessivpronomen auftritt, das sich auf das Subjekt zurückbezieht, ist es ein Passivperfekt (das v.a. in Connacht auftritt):
z.B.: Tá an bhó tar éis a bléan. = Die Kuh ist gerade gemolken worden. (wörtl.: "Ist die Kuh nach ihrem Melken")
        Bhí an fear tar éis a chur. = Der Mann war gerade beerdigt worden. (wörtl.: "War der Mann nach seinem Legen")

Mittels des Verbalnomens bheith (tar éis bheith oder tar éis a bheith) sind Kombinationen mit der Verlaufsform möglich, also eine Verlaufsform Perfekt (mehr dazu siehe: dort)
z.B.: Tá mé tar éis bheith ag léamh an nuachtáin. = Ich habe gerade die Zeitung gelesen. (wörtl.: "Bin ich nach Sein bei Lesen der Zeitung")

Negative Formen (mittels Negation des Verbs bí) sind nicht üblich.
Statt dessen tritt ersatzweise gan + Verbalnomen (Unmittelbarkeit muß dann mit Adverbien bezeichnet werden):
z.B.: Tá an fear gan imeacht fós. = Der Mann ist noch nicht weggegangen.
        Bhí a fhiosracht fós gan sásamh. = Seine Neugier war noch nicht befriedigt.

Gemischtes Perfekt

Mittels des Verbalnomens bheith ist eine Kombination der Perfektbildung mit tar éis mit der Perfektbildung mit dem Verbaladjektiv möglich.
Es ist ebenso passivisch. Dies tritt anstelle einer nicht möglichen Verlaufsform Perfekt Passiv auf, d.h., es hat progressiven Aspekt.
z.B.: Tá sé tar éis bheith déanta aige. = Es wurde gerade eben von ihm fertig gestellt. (wörtl.: "Ist es nach Sein gemacht bei-ihm")

deireadh + Verbaladjektiv

Form von + deireadh + Verbaladjektiv + ag + Subjekt*

Diese Form wird seltener als Perfekt erwähnt, drückt aber doch einen terminativen Aspekt, den Abschluß einer Tätigkeit aus.
z.B.: "Sin scéal iontach," arsa mise, nuair a bhí deireadh inste ag Séamas Airt Óig. = "Das ist eine erstaunliche Geschichte," sagte ich, als Séamas Airt Óig zu Ende erzählt hatte.
        An bhfuil deireadh ite agat? = Bist du fertig mit Essen? (wörtl.: "Ob ist Ende gegessen bei-dir?")

Vorzeitigkeits-Perfekt mit do + Subjekt

ar + Verbalnomen + Genitiv-Objekt + do + Subjekt
ar + Possessivpronomen + Verbalnomen + do + Subjekt

In dieser Verwendung leniert ar (ar entstand hier aus iar = nach, früher Eklipse nach iar/ar)
Statt ar kann auch tar éis, i ndiaidh etc. stehen. (siehe mehr dazu unter Syntax des Verbalnomens)
Die Form mit do + Subjekt stellt nur ein Satzäquivalent (deutschen Partizipialkonstruktionen vergleichbar), es ist kein eigenständiger Satz.
Es beschreibt die Vorzeitigkeit einer Handlung (relativ zu der Handlung des Hauptsatzes). Die Aspektbeschreibung tritt in den Hintergrund.
z.B.: ar oscailt an dorais dom = nachdem ich die Tür geöffnet hatte
        ar dhéanamh na hoibre duit = nachdem du die Arbeit gemacht hast
In Kombination mit dem Possessivpronomen a/ár entstehen die Formen arna/arnár
z.B.: arna ól dom = nachdem ich es getrunken habe (wörtl.: "nach-seinem Trinken zu-mir").

Formen mit arna treten auch als meist frei verwendete Perfekt-Passiv-Form auf, dann ohne do + Subjekt, jedoch mit ag + Handelndem (mehr dazu s. hier).
z.B. arna chur in fhoilsiú ag … = verlegt von …

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Die Verlaufsform (an fhoirm leanúnach)

Sämtliche Zeitformen und Modi gibt es auch in einer Verlaufsform.

Form von * + Subjekt + ag + Verbalnomen + Genitiv-Objekt

*Statt auch Verben der Wahrnehmung, des Beginnens/Aufhörens und der Bewegung möglich.
Durch entsprech. Formen von bí (oder bestimmten and.Verben) ist die Verlaufsform in allen o.g. Zeitformen und Modi möglich.
Mehr zur Bildung und Formen der Verlaufsform siehe: Syntax des Verbalnomens: Verlaufsform

Hier zu erwähnen ist der Unterschied in der Verwendung der Zeitformen:

Eine entsprechende Unterscheidung besteht auch zw. der Verlaufsform im Präteritum und der Verlaufsform im Imperfekt (habituelles Präteritum) und dem einfachen Imperfekt, außer daß die Verlaufsform im Präteritum tatsächlich mur für andauernde Handlungen Verwendung findet. Häufig ist es bei Nebenhandlungen, die als zeitgleich zu einer Haupthandlung beschrieben werden.

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Die Absichtsform (an fhoirm aidhmeach)

Form von + Subjekt + ar tí + Objekt + a + Verbalnomen

z.B.: Bhí mé ar tí an carr a dhíol = Ich war im Begriff das Auto zu verkaufen
Mit ar tí und ar thob folgt die beabsichtigte Handlung unmittelbar ("im Begriff sein").
Mit le, chun, ag bráth, ag dul ag u.v.a. folgt die Handlung nicht unmittelbar.
Mehr dazu siehe hier.

suas

bí + le + Verbalnomen

Form von + Subjekt + le + Verbalnomen

Weitergefasst prospektiv ist diese periphrastische Konstruktion mit le.
Im Unterschied zur Absichtsform drückt sie auch (je nach Kontext) Zweck, Pflicht, Notwendigkeit, Möglichkeit, Sicherheit aus.
In der Form unterscheidet sie sich, daß nach le hier keine Infinitivkonstruktion folgt (Objekt + a + VN), sondern nur das Verbalnomen.
Bei transitiven Verben ist diese Form passivisch, ag + Handelnder kann verwendet werden.
z.B.: Tá an obair le déanamh agam. = Die Arbeit ist von mir zu erledigen.
Mehr dazu siehe hier.



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© Lars Braesicke 1999 / 2016

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[ 1 ]
In manchen älteren Grammatiken (P.W. Joyce: A Grammar of the Irish Language) wird ein Unterschied zwischen einfachem Präsens (synthetische Verbendungen: -im, -ir, -imid, -tí, -id + alter Endung der 3. Person Singular -idh) und habituellem Präsens (analytische Endung -ann/eann für alle Personen) behauptet: d.h.: einfaches Präsens: buailidh sé = er schlägt, habituelles Präsens: buaileann sé = er schlägt (immer)
Dies ist aber zweifelhaft. Die Endung -eann ist eigtl. nicht spezifisch habituell, sondern trat ursprünglich nur als abhängige Form neben unabh. -idh. Sollte dennoch eine solch spezif. habituelle Verwendung je bestanden haben, so ist diese Unterscheidung heute nicht mehr anzutreffen
Sonst wird heute in mündlicher Sprache für einfaches Präsens die Präsens-Verlaufsform verwendet, während alle Präsensendungen nur das habituelle Präsens ausdrückt (mit Ausnahme weniger Verben, s.o.).

[ 2 ]
Laut O’Nolan (New Era Irish Grammar) ist nach má Futur möglich, wenn eine deutliche Bezugnahme auf ein bestimmtes Ereignis vorliegt.
z.B.: Molfaidh sibh í má bheidh an moladh tuillte aici. = Ihr werdet sie loben, wenn sie das Lob verdient haben wird.

[ 3 ]
Eine Verwendung der haben-Konstruktion mit attributivischen Verbaladjektiv ist denkbar, aber wohl ungewöhnlich.
vgl.: Tá an fhuinneog bhriste agam. = Ich habe das zerbrochene Fenster. ("haben"-Satz, Präsens, Verbaladjektiv attributivisch)
mit: Tá an fhuinneog briste agam. = Ich habe das Fenster zerbrochen. (Perfekt-Satz, Verbaladjektiv prädikativisch)

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Die Angabe, der Konjunktiv Präsens würde durch den Indikativ Futur ersetzt, ist relativ. In Wirklichkeit fallen in gesprochenem Irisch beide Formen oft zusammen bzw. unterscheiden sich nur geringfügig, so dass auch diese Unterscheidung oft vernachlässigt wird.
Schriftsprachlich bestünde eigtl. ein deutlich sichtbarer Unterschied durch den Futurmarker -f- bzw. -ó-, der im Konjunktiv nicht benötigt wird, allerdings wird auch hier heute seltener die Notwendigkeit gesehen, diesen Unterschied zu markieren.
Ähnliches gilt für Konjunktiv Präteritum und Konditional, welche sich in der Form ebenfalls nur durch den Futurmarker unterscheiden.
Zur Ähnlichkeit der Formen kommt eine semantische Nähe hinzu: Was nur als möglich zu geschehen gesehen wird (Konjunktiv), geschieht eben nicht aktuell, sondern kann erst in der Zukunft eintreffen, so dass eine Futurzeitform sinnvoll erscheint. Indikativ Futur hat zudem einen verbindlicheren Charakter: Es drückt eine Sicherheit des Eintreffens des Geschehens aus, was vom Sprecher womöglich bevorzugt wird.
Der Ersatz des Konjunktivs durch Indikativ Futur ist besonders im Munster-Irischen ausgeprägt. In den Dialeten von Connacht und Ulster ist die Verwendung des Konjunktivs noch recht häufig.

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